Zeit Online, Jan Freitag

 

 „Auch auf seinem dritten Album kann es da passieren, dass Rihanna nach Cake klingt wie im furiosen Nicotin Princess. Oder dass Präriegras durch den New Yorker Underground weht, wenn er für Low Rider den Irrsinn der Beastie Boys schreddert. Im anschließenden TrackPancake Man entsteht gar der Eindruck, Pfannkuchenmänner könnten Banjo spielen. Groß denken, .KLEIN heißen – hinreißender kann man sich kaum bei anderen bedienen.“

 

Anthem Review (UK)

 

Equally enjoyable and destructive, everything in ‘Bengal Sparks’

sound as though it is at war with itself, and yet they’re locked in

a joyous entanglement of musical dynamics. It’s a wash of

technicolour excitement and digital flourishes, and while it’s not

always coherent, it’s always entertaining.

 

 

Intro:

Der Kangkosmonaut Lutz Nikolaus Kratzer nennt sein Projekt .Klein, klingt aber alles andere als das. Dem Hamburger ist kein Style, kein Genre, keine Strömung fern. Auf seinem dritten Album »Bengal Sparks« vermischt er Elemente aus HipHop, Funk, Electronica und Alternative-Pop zu einem durch die Bank dynamischen, lebendigen, flirrend funkelnden Gesamtkunstwerk. Das macht auf ähnliche Art und Weise seit langer Zeit ein König seiner Zunft namens Beck Hansen. Eine spannende Platte.

 

Amusio: 

 

VERMÖGEN OHNE FREMDNAMEN

 

Wer sich weder als entschiedener Genre-Act, noch als neurotischer Innovator geriert, dem kann der Vorwurf des Eklektizismus schon längst nichts mehr anhaben. Im Gegenteil: Wer heute von vielem nimmt, um im Ergebnis noch mehr zu geben, mag sich der Zustimmung eines Zeitgeists erfreuen, der den Verzicht auf Sortenreinheit mit dem Verdikt des in toto Dagewesenen versöhnt. Der Hamburger Multi-Instrumentalist Lutz Nikolaus Kratzer stellt als .klein auf seinem Drittwerk Bengal Sparks (self-release/Spezialmaterial Records) erneut unter Beweis, dass sich wahre Größe in der Anerkennung gegenüber dem Gewesen zeigt. Sofern sie sich Respektlosigkeiten erlaubt. Und damit bestens über die Runden kommt. Es wäre ein allzu beliebiges Verfahren, die Qualität von Bengal Sparks anhand eines möglichst hippen Namedroppings zu unterstreichen. Es sei jedoch betont, dass die von .klein gewählten Verweise, Bezüge, Halbzitate und Travestien – aufgrund ihrer durchgängigen Originalität – jegliche Einengung auf vermeintlich große Namen oder musikalische Moden unterm Strich locker entbehren können. Wohl auch in der Hoffnung, dass das originäre Potenzial – unvoreingenommen rezipiert – noch sicherer zur Entfaltung seiner Vermögen gelangt. Es manifestiert sich die „Aneignung des Weltmusikinstrumentariums, für eigene ethnoferne Popschichtungen“ (.klein) – und somit eine Rehabilitierung des Hörens von Popmusik als ergebnisoffenes Abenteuer. Denn bei allem Wagemut der Ausgestaltung tritt auf Bengal Sparks ein bis heute nicht zu vernachlässigender Aspekt zutage: Lutz Nikolaus Kratzer gehört wohl den Freidenkern, die trotz ihrer Disposition nicht anders können (oder eben – wollen), als in sich stimmige, schlüssige und merkfähige Songs zu schreiben. Talente und Tugenden kanalisiert, braucht es der Fremdnamen nicht.